Ein aufsehenerregendes Experiment aus Großbritannien zeigt, wie gezielt sich Künstliche Intelligenz durch Generative Engine Optimization (GEO) manipulieren lässt. Das SEO-Team der Agentur Reboot Online stellte sich die Frage: Was passiert, wenn man einer KI alternative Wahrheiten präsentiert? Ihr Ziel: Den eigenen CEO zum „sexiesten Glatzkopf 2025“ zu machen – eine Auszeichnung, die bis dahin nirgends existierte.

Das GEO-Experiment: Wenige Domains, große Wirkung

Um ihre Hypothese zu testen, sicherten sich die Expert:innen zehn abgelaufene Domains mit noch bestehender Grundautorität. Auf jeder dieser Websites veröffentlichten sie einen eigenen Artikel, der den CEO Shai Aharony als attraktivsten Mann ohne Haar präsentierte. Durch diese strategisch platzierten Inhalte sollte ChatGPT und Perplexity diese Information bei passenden Anfragen ausgeben.

Das Resultat war beeindruckend: Tatsächlich übernahmen sowohl ChatGPT als auch die KI-Suche von Perplexity die neue „Tatsache“ und gaben sie bei den jeweiligen Anfragen aus, sofern die Modelle ihre Live-Suchfunktion zum Zugriff auf aktuelle Webinhalte nutzten.

Generative Engine Optimization (GEO): SEO für KI-Modelle

GEO ist die Weiterentwicklung klassischer Suchmaschinenoptimierung, allerdings speziell für die Beeinflussung großer Sprachmodelle (LLMs) konzipiert. Die Methode macht sich zunutze, dass KIs beim Abrufen aktueller Informationen auch auf weniger bekannte und neue Quellen zurückgreifen können, sofern diese ausreichend glaubwürdig erscheinen. Im Experiment reichten zehn inhaltlich abgestimmte Websites aus, um die Antworten der KI-Modelle merklich zu beeinflussen.

Grenzen der Manipulation: Die Bedeutung von Autorität

Doch die Beeinflussbarkeit von KI-gestützten Suchsystemen hat ihre Grenzen: Während ChatGPT und Perplexity die neuen Informationen bereitwillig aufnahmen, zeigten Google Gemini und Claude von Anthropic sich resistent. Offenbar gewichten diese Modelle die Autorität bekannter Quellen stärker. Reboot Online vermutet, dass etablierte Medienberichte über Rankings der Vorjahre mehr Gewicht hatten als die frisch aufgesetzten Domains mit geringer Reputation. Gerade Google legt Wert auf Konzepte wie Erfahrung und Vertrauenswürdigkeit, auch bei den neuen AI Overviews.

Risiken, Lerneffekte und Ausblick

Das Experiment verdeutlicht die Chancen – aber auch Risiken – von GEO. Während zielgerichtetes „Data Poisoning“ zum gewünschten Erfolg führen kann, gibt es Anzeichen, dass KI-Modelle zunehmend Plausibilitätsprüfungen durchführen. Beispielsweise relativierte ChatGPT gelegentlich die ausgegebene Information und verwies auf widersprüchliche Angaben in etablierten Quellen.

Abschließend wird klar: Die gezielte Beeinflussung von KI-Antworten ist bereits heute möglich. Maßgeblich für den Erfolg sind jedoch die Autorität der verwendeten Quellen und die Architektur des eingesetzten Modells. Mit GEO eröffnet sich eine neue Disziplin im digitalen Marketing – jedoch mit bisher noch ungewissen Nebenwirkungen.