Die Zukunft des Webdesign 2019

Erst vor Kurzem war Mobile First die Devise im Webdesign, dann hieß es plötzlich Mobile Only. Ist dieser Leitsatz nun etwa auch schon wieder veraltet? Laut Jan Wolter, VP und Geschäftsführer von Applause Europa, reicht Mobile Only schon nicht mehr aus.

Es ist noch nicht lange her, da war die Desktopversion einer Website das A und O im Webdesign. Die mobile Seite stand an zweiter Stelle. Dann kam das iPhone und die mobile Version von Websites erlangte plötzlich Vorrang. Mittlerweile vertreten viele Webdesigner den Standpunkt „Mobile Only“. Zu beiden Ansätzen gibt es Unmengen Literatur und etliche Entwickler wurden sogar eigens dazu ausgebildet, der mobilen Website absolute Priorität einzurichten. Doch auch wenn Mobiloptimierung zweifelsohne eine wichtige Rolle spielt, darf das Gesamte nicht aus den Augen verloren werden – der Nutzungskontext. Denn je nach Kontext setzen die Nutzer ihre digitalen Geräte in Kombination oder auch im Wechsel ein. Längere Texte schreiben sich immer noch am besten am PC und unterwegs ist das Smartphone praktischer. Die Anforderungen an Webdesigner sind hoch, denn der Nutzer erwartet, dass ein Service sowohl auf dem PC als auch dem mobilen Gerät einwandfrei funktioniert. Oftmals wird ein Service zuerst in der Desktopversion getestet und anschließend ist die gleiche Usability in der App gefragt.

Der Kontext ist entscheidend für die Funktionen
Da der Nutzungskontext die entscheidende Rolle spielt, müssen nicht sämtliche Funktionen in der Desktop- und mobilen Version identisch sein. Denn verschiedene Umstände oder Aufenthaltsorte oder eine andere Nutzungsabsicht erfordern oftmals unterschiedliche Funktionen sowie Bedienlogiken. Ein gutes Beispiel für eine Website, bei der sich die Desktopversion stark von der mobilen Seite unterscheidet ist Babbel. Die beiden Versionen ergänzen sich und dem Nutzer fällt es nicht schwer, zwischen Desktop und mobil hin und her zu wechseln. Es ist also fraglich, ob Mobile Only auch in Zukunft noch der richtige Ansatz ist. Der Trend geht vielmehr dahin, dass Entwickler sich anschauen, in welchem Kontext ihr digitales Produkt Anwendung findet und welche Arten von digitalen Geräten welche Funktionen erfüllen müssen. Der Erfolg wird abhängig von der optimalen Mischung der verschiedenen Funktionalitäten sein. Wie lässt sich das erreichen?

1. Optimale Funktionalität und Qualitätssicherung über sämtliche Kanäle
Der Service muss über sämtliche Kanäle optimal funktionieren. Ist dies nicht gewährleistet, wird er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nach der ersten Nutzung bereits gelöscht. Die Nutzer sind anspruchsvoll. 80 Prozent entfernen eine App gleich nach der Installation, sollten sie ein schlechtes Nutzererlebnis haben, das Design nicht ansprechend finden, eine zu langsame Performance bemängeln oder gar erleben, dass die App gleich abstürzt. Die Qualitätssicherung ist daher enorm wichtig, um den Vorlieben und Erwartungen der Nutzer gerecht werden zu können.

2. Der Kunde ist König
Der Kunde ist König gilt auch in der digitalen Welt. Der Nutzer muss an erster Stelle stehen, denn die Bedürfnisse des Nutzers geben den Ton an. Digital agierende Unternehmen müssen in der Lage sein, sich schnell an neue Umstände anzupassen und die Wünsche der Nutzer zu erfüllen. Die Herausforderungen an Webdesigner und Entwickler werden immer komplexer, denn nimmt man beispielsweise Voice Commerce und Connected Cars und Co. in Betracht wird es stets schwieriger, eine konsistente Nutzererfahrung zu gewährleisten und den Erwartungen der Nutzer gerecht zu werden.

3. Anpassen an neue Anforderungen sowie Produkte hinterfragen
Unter Digitalen Geräten versteht man heutzutage nicht mehr nur Smartphones und Tablets. Die Zahl der digital nutzbaren Geräte steigt stetig, nicht zuletzt durch den Boom des Wearable-Markets, mit tragbaren Kameras, Smartwatches, Fitnesstrackern, Geräten mit GPS oder sogar smarter Bekleidung. Die digitale Welt ist längst Teil des Alltags und der Mensch Teil des IoT-Ökosystems. Die Herausforderung für Anbieter von digitalen Produkten ist es, die Perspektive der Nutzer in den Mittelpunkt zu stellen. Einige Sekunden Verzögerung beim Laden einer Website im Internet nimmt der Nutzer hin, denn er ist daran gewöhnt. Bei einem smarten Türschloss hat der Anwender jedoch keine Geduld. Der Druck auf die Anbieter ist groß, denn die Konkurrenz ist nur ein paar Klicks und Swipes entfernt. Um nicht von der Konkurrenz gefressen zu werden, sollten Unternehmen auch nicht davor zurückschrecken, ihr eigenes Produkt zu kannibalisieren und ständig zu innovieren.

Hinsichtlich der Entwicklung im Bereich App hebt der Experte im Bereich Softwaretesting Jan Wolter hervor, dass der Trend längst nicht mehr bei einzelnen Apps liegt, die einzelne Probleme lösen oder Services bereitstellen. Der Zukunftstrend sind Plattformen, die mehrere Dienste und Funktionen gleichzeitig beinhalten. WeChat, Payback oder der Facebook Messenger sind Beispiele solcher multifunktionalen Apps. Rund ein Jahrzehnt lang waren Apps lediglich auf einzelne Services oder Funktionen beschränkt. Diese Zeiten sind nun vorbei, genauso wie Mobile Only. Denn Entwickler müssen ihre Dienste zukünftig in Plattformen integrieren

Fazit: Die digitale Landschaft ändert sich tagtäglich und wird immer vielfältiger. Zwar werden digitale Produkte stets mobiler, doch längst nicht mehr nur auf Smartphone-Bildschirmen. Nutzer greifen auf digitale Produkte über mobile, Desktop- und IoT-Umgebungen zu. Unternehmen müssen sich im Klaren darüber sein, wie und wo sie den Kunden begegnen. Allround-Lösungen mit einer einzigen Benutzeroberfläche für zahlreiche Dienste sind nicht mehr zeitgemäß. Genauso wenig wie Mobile Only oder Web Only Apps. Daher gilt: Qualität ist als Erfolgskriterium unerlässlicher denn je.

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